Pünktlich um zehn Uhr morgens legte die Fähre im Hafen von Igoumenitsa an – als hätte die Zeit nach all den Stunden auf stürmischer See mit uns einen stillen Pakt geschlossen. Die schwere Schwärze der Nacht, das endlose Rollen der Wellen und das bedrückende Grau des Vortags wichen nun einem Bild von heiterer Vollkommenheit: Die Sonne stand hoch am Himmel, strahlte warm und ungetrübt auf das glitzernde Wasser herab, und eine sanfte Brise trug den salzigen Duft des Meeres zu uns herüber. Die Luft war klar und voller Versprechen – als wolle sie uns sagen: Ihr habt es geschafft.
Mit müden, aber erleichterten Schritten verließen wir das Schiff, jeder Schritt ein kleines Stück Entfernung zur rauen Überfahrt. Die Stadt empfing uns in ruhiger Gelassenheit. Palmen säumten die Straßen, kleine Cafés öffneten langsam ihre Türen, und das Licht spiegelte sich golden in den Fenstern.
Wir begaben uns auf die Suche nach einem Campingplatz – nicht hastig, sondern getragen von der Ruhe, die diese mediterrane Küstenwelt auszustrahlen schien. Schon nach kurzer Zeit fanden wir ihn: Camping Drepanos. Ein Platz wie aus einem Traum, direkt am Meer gelegen. Der Troll stand bald zwischen Pinien, die leicht im Wind raschelten.
Vor uns lag das endlose Blau – tief, klar und beruhigend. Die Wellen rollten in gleichmäßigem Takt an den Strand, als wollten sie die letzten Stunden des Sturms fortspülen.
Es war ein Moment von seltener Schönheit. Ein Augenblick, in dem man nichts erklären, nichts planen musste. Wir waren einfach da – angekommen.