18. März: Der Tag, an dem der Wind erwachte

Heute Morgen lag das Meer still wie Glas vor uns – ein makelloser Spiegel, der den Himmel in sich trug. Die Fähre nach Korfu glitt beinahe lautlos über das ruhige Wasser, und die Überfahrt war wie ein sanfter Traum, in dem die Zeit ihren festen Takt verlor.

Korfu-Stadt empfing uns mit lebendigem Charme: enge Gassen, in deren Schatten sich Geschichte und mediterrane Leichtigkeit begegneten. Die Suche nach einem Parkplatz wurde zur kleinen Geduldsprobe, doch als wir endlich fündig wurden, ließen wir uns treiben – zwischen Steinen, Olivenbäumen und Bougainvilleen, die wie bunte Schleier an den Mauern hingen. 

In einem Straßencafé kosteten wir vom Geschmack Griechenlands – Tomaten, so süß wie Sonne, Oliven, die nach Erde und Zeit schmeckten. Ursula entschied sich für ein Club-Sandwich, ein stiller Klassiker im Trubel der Insel.

Am Nachmittag fuhren wir weiter Richtung Süden, dem Horizont entgegen. Der Stellplatz, den wir fanden, war ein kleines Paradies: direkt am Meer, inmitten rauer Schönheit und weitem Himmel.

Doch gegen Abend veränderte sich die Luft. Zuerst kaum spürbar, dann mit wachsender Kraft. Ein unruhiges Raunen erhob sich über den Wellen, und bald schon heulte der Wind durch das offene Land. Böen rissen an Markisen, zogen an den Bäumen, als wollten sie sie aus der Erde reißen. Der Sturm war kein Feind, eher ein wilder Gast, der uns zeigte, wie lebendig Natur sein kann.

 

Unser Zuhause auf Rädern schwankte leicht, doch wir fühlten uns geborgen – eingehüllt im Tosen, als würde das Heulen des Windes unsere Gedanken reinigen. Und trotz allem schliefen wir tief und fest, während draußen die Nacht tobte.

Am Morgen dann – ein Wunder: völlige Stille. Der Sturm hatte sich davongeschlichen, und hinterließ einen Himmel, klar wie Kristall, und ein Meer, das atmete wie in Dankbarkeit. Ein neuer Tag begann – friedlich, leicht, und voller Versprechen.

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