6. April: Mit dem Troll durch Schnee, Wind und Grenzkontrollen

Es war noch früh, als die Fähre mich am Morgen um 10:30 Uhr wieder zurück aufs Festland brachte, nach Igumenitza. Der Wind wehte kühl, aber der Gedanke an die bevorstehende Fahrt ließ mich aufgeregt in den Tag starten. Kaum an Land, suchte ich mir einen kleinen, unscheinbaren Café, um in Ruhe die nächsten Etappen meiner Reise zu planen. Der heiße Kaffee in meiner Hand, der Blick auf die Karte – es war der Moment, in dem die Freiheit des Unbekannten mich erneut packte.

Ich durchquerte Ligenas in Albanien und Stenje in Nordmazedonien und passierte die Grenze mit einer Leichtigkeit, die ich kaum fassen konnte. Der Plan war, die Nacht auf einem Pass zu verbringen – zwischen Otsevo und Tripizza in Nordmazedonien.

Die Straßen wurden immer enger, der Asphalt holpriger, und die Kehren begannen, sich wie endlose Wellen vor mir zu winden. Genau mein Ding, ich liebe es! Die Schlaglöcher spritzten Steine auf, während der Regen immer stärker wurde. Doch ich fuhr weiter, ließ mich von der Herausforderung treiben, von der Ungewissheit, die mich umgab. Die Reise fühlte sich lebendig an, berauschend. Doch je weiter ich hinauf fuhr, desto intensiver spürte ich die Veränderung der Elemente. Der Regen verwandelte sich in Schnee, dicke Flocken wirbelten auf.

Und dann stand ich dort – oben auf dem Pass, bei fast 1600 Metern, der Wind peitschte mir ins Gesicht und die Temperatur war auf 0°C gefallen. Der Schnee fiel in dicken, schweren Flocken, die wie weiße Geister in der Luft tanzten. Es war ein Anblick, der mich in den Bann zog, gleichzeitig aber auch eine tiefe Entscheidung verlangte.

Ich stand da, atmete die kalte, klare Luft ein und überlegte. Die Vernunft schlich sich ein – der Sturm war zu stark, der Schnee zu dicht. Aber was für ein Abenteuer! Ein heißer Schauer der Leidenschaft durchzuckte mich, doch ich wusste, der Pass und das Wetter waren eine zu große Herausforderung für die Nacht. Ich konnte nicht riskieren, dort zu verweilen.

Also fuhr ich wieder hinunter, zurück auf die Straße Richtung Tripizza. Doch auch hier fand ich keinen geeigneten Schlafplatz.
Der Weg führte mich weiter, dieses Mal zu den Grenzen zwischen Mazedonien und Albanien. Die Grenzkontrollen dauerten länger als gewöhnlich – zum ersten Mal wurde der Troll gründlich durchsucht. Ich muss in eine Halle fahren.
Etwa drei Viertelstunden, in denen jeder Winkel des Fahrzeugs geprüft wurde, doch die Beamten fanden nichts. Ein kurzer Moment des Nervenkitzels, dann ließen sie mich wieder ziehen, als wäre nichts geschehen.

Die Fahrt setzte sich fort, das Ziel ein Parkplatz am Olitsee. Der See, auf knapp 700 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, war von einer Kaffeebar gesäumt, Nach einem Bier fragte ich, ob ich auf seinem Parkplatz übernachten darf. Der Sturm, der mich begleitete, war noch lange nicht vorbei. Der Schnee tobte jetzt mit einer Gewalt, die alles in einen unheimlichen Schleier hüllte. Es schneite so stark, dass der Wind die Flocken in horizontalen Bögen vor sich hertrieb.

Marley, die nie zögert, draußen zu spielen, verweigerte sich dem Wetter. Zwei Schritte im Sturm und sie drehte um, sprang hastig zurück in den warmen Troll und kuschelte sich in die Wärme.

In dieser Nacht schlief ich mit dem Geräusch des heulenden Sturms und dem unaufhörlichen Rauschen des Windes im Ohr ein. Der Troll war mein sicherer Hafen, und der Sturm draußen wurde zu einer wilden Melodie, die mich in den Schlaf wiegte.

Es war das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das mich in dieser Nacht begleitete – die unbändige Lust, immer weiterzufahren, immer mehr zu erleben. Doch der Sturm, die Kälte und die Herausforderung waren ein sanftes Mahnmal, dass auch in der Freiheit immer ein Moment der Ruhe und Besinnung auf uns wartet.

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