Der Morgen empfängt mich mit einem fast schon kitschig schönen Anblick: ein stahlblauer Himmel spannt sich über die Landschaft, klar und tief wie ein Versprechen. Rund um den See zeichnen sich die Konturen der Berge und Hügel deutlich ab – ihre Spitzen und Flanken sind mit einer feinen Schicht weißen Pulvers überzogen. Es sieht aus, als hätte jemand sorgsam Puderzucker über die Welt gestreut. Die Luft ist kalt, aber frisch und belebend. Ich atme tief ein und lasse den Moment auf mich wirken.
Nach einem kurzen, einfachen Frühstück – Brot, Käse, ein starker Kaffee – mache ich mich wieder auf den Weg, das heutige Ziel: Durrës. Die ersten Kilometer fahren sich ruhig, fast meditativ. Ich gleite durch diese stille, verschneite Landschaft, begleitet nur vom Rauschen des Motors und dem Knirschen der Reifen auf der frostigen Straße.
Doch bald werde ich wieder an die Realität erinnert – albanische Straßenverhältnisse. Und mit ihnen: die Baustellen. Nicht im klassischen Sinne – keine klaren Umleitungen, keine Warnschilder. Stattdessen: Schotter, lose Steine, tiefe Schlaglöcher und Pfützen, die sich nicht entscheiden können, ob sie Wasser oder Matsch sind. Ich fahre mit Schrittgeschwindigkeit, Slalom zwischen den Hindernissen. Es ist anstrengend, aber irgendwie auch charmant. Authentisch.
Je näher ich Durrës komme, desto besser wird der Straßenbelag. Der Verkehr nimmt zu, auch die Gebäude wirken moderner. Als ich schließlich einen kleinen Campingplatz am Stadtrand finde, bin ich erleichtert. Es ist nicht spektakulär, aber genau das, was ich heute brauche: ein ruhiger Platz zum Ankommen, Durchatmen und Reflektieren.
Das Ziel für heute ist erreicht.