Um 7 Uhr war Tagwache. Danach ging’s direkt los Richtung Norden, Ziel war der Kopaonik Nationalpark in Serbien. Der Grenzübergang wurde zum kleinen Abenteuer. Der kosovarische Zoll meinte, ich müsse wenden – ich dürfe nicht über die Grenze nach Serbien. Ich stellte mich ganz strohdumm, tat so, als würde ich nichts verstehen, und siehe da: Es funktionierte. Ich durfte doch weiterfahren und Serbien besuchen. Der serbische Zoll war zum Glück entspannt und winkte mich einfach durch.
Die Fahrt zum Nationalpark führte über viele enge, kurvenreiche Straßen den Berg hinauf. Auf halber Strecke musste ich Maut bezahlen, umgerechnet rund acht Euro. Oben, auf etwa 1800 Metern über Meer, lagen noch einzelne Schneefelder. Genau Marleys Ding. Voller Freude sprang er herum, jagte dem Frisbee hinterher, wälzte sich im Schnee und tobte wie ein Verrückter. Pure Lebensfreude.
Alles hat ein Ende, auch für Marley. Auf der Rückfahrt vom Berg sah ich drei Falken, ein Hörnchen und sogar einen Fuchs. Ich musste mich aber sehr auf die Straße konzentrieren – vielleicht hätte ich sonst noch mehr gesehen.
Serbien wurde mir zunehmend suspekter. Ich fühlte mich einfach nicht wohl. Beim geplanten Stellplatz angekommen, gönnte ich mir einen feinen Tomatensalat. Während dem Essen fasste ich einen Entschluss: Ich verlasse Serbien wieder.
Motor gestartet, zurück Richtung Kosovo. Der Grenzübergang verlief problemlos. Kurz nach der Grenze, etwa 15 bis 20 Kilometer später, sah ich ein altes, verwittertes Schild: „Sicherheitsgebiet – Swiss-KFOR-Armee“. Das brachte mich ins Nachdenken. Die Erinnerung an den Jugoslawienkrieg kam hoch. Unfassbar, dass das alles schon rund 35 Jahre her ist
Weiter ging’s, Kilometer um Kilometer, bis zur albanischen Grenze. Die albanischen Zollbeamten schauten sich den Troll mal wieder etwas genauer an. Als sie mein Handicap bemerkten, durfte ich ohne weiteres weiterfahren. Doch direkt nach dem Zoll kam die nächste Gebühr: 15 Euro Straßenbenutzungsgebühr. Ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass man danach noch immer um riesige Schlaglöcher herumschlingern muss wie beim Slalomfahren.
Etwa 15 Kilometer außerhalb von Krume erreichte ich schließlich den geplanten Campingplatz. Marley und ich waren komplett erschöpft. Was für ein Tag. Ein Auf und Ab der Emotionen – aber am Ende hat das Schöne die Oberhand behalten.